Warum reagieren wir in manchen Erziehungssituationen so unerwartet heftig oder
erschöpft? Warum tragen wir Ängste oder Stressmuster in uns, die gefühlt gar nicht
zu unserem heutigen Leben passen?
Eine Studie der Universität Ulm sowie die Forschung zur Epigenetik zeigen: Was wir
in unserer Kindheit – oder sogar über Generationen hinweg – erlebt haben,
hinterlässt Spuren. Doch die Wissenschaft betont auch: Wir können diesen Kreis
durchbrechen.
Was wir aus der eigenen Kindheit mitnehmen
Unsere eigenen frühen Prägungen legen das Fundament dafür, wie wir später der Welt begegnen, wie wir emotional reagieren und wie wir mit Belastungen umgehen. Wenn wir selbst Eltern werden, kommen diese alten Muster im Trubel des Alltags oft unbewusst wieder an die Oberfläche.
Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung der Universität Ulm (Dissertation von Angelina Fink, 2019) im Rahmen des Forschungsprojekts „Meine Kindheit –Deine Kindheit“ ist genau dieser Frage nachgegangen: Inwiefern haben belastende Kindheitserfahrungen von Müttern (wie emotionale Vernachlässigung oder Misshandlung) Einfluss auf die kognitive Entwicklung und das Verhalten ihrer einjährigen Kinder?
Die Studienergebnisse im Überblick
Die Forscherinnen und Forscher begleiteten Mutter-Kind-Paare über den Verlauf des ersten Lebensjahres. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Wie Erfahrungen unter die Haut gehen: Das biologische Stressgedächtnis
Warum ist es so schwer, in stressigen Momenten einfach „ruhig zu bleiben“? Die Forschung liefert dafür zwei entscheidende Erklärungen:
„Dieser Schmerz ist nicht meiner“ – Transgenerationale Traumata verstehen
Manchmal reichen die Wurzeln unserer Belastung sogar noch weiter zurück als in unsere eigene Kindheit. Der Trauma-Experte Mark Wolynn beschreibt in seinem Buch „Dieser Schmerz ist nicht meiner“, wie unverarbeitete Traumata der Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern (etwa durch Flucht, Verlust oder frühe Trennungen) als seelisches Erbe an nachfolgende Generationen weitergegeben werden können. Wenn wir uns im Erziehungsalltag grundlos überfordert, ängstlich oder ohnmächtig fühlen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass wir ein fremdes Stressmuster mittragen. Das Erkennen dieses Zusammenhangs bringt oft eine immense Erleichterung: Wir verstehen, dass diese körperlichen und emotionalen Reaktionen kein persönliches Versagen sind.
Den Kreis durchbrechen: Wie Heilung gelingt
Die Ergebnisse der Ulmer Studie und die Erkenntnisse aus der Epigenetik und Traumatherapie weisen alle in dieselbe Richtung: Es geht keinesfalls darum, Schuldgefühle zu entwickeln oder sich Vorwürfe für die Vergangenheit zu machen. Es geht darum, den Stress in der Gegenwart zu senken. Denn das Erfreuliche an der Epigenetik ist: Epigenetische Schalter sind dynamisch. So wie negativer Stress Gene beeinflussen kann, so können positive Erfahrungen, emotionale Sicherheit und gezielte Entlastung diese Schalter auch wieder neu ausrichten.
Möglichkeiten, um neue Wege im Familienleben zu gehen:
Fazit
Unsere Vergangenheit und die Geschichte unserer Familie prägen uns, aber sie müssen nicht unsere Zukunft bestimmen. Indem wir lernen, auf unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse zu achten und unseren Alltagsstress zu reduzieren, unterbrechen wir das Weiterreichen alter Belastungen. Wir schenken nicht nur uns selbst mehr Frieden, sondern schaffen auch für unsere Kinder die bestmögliche Grundlage, um frei und gestärkt aufzuwachsen.
Die Hypnose dient hier der Steigerung des Wohlbefindens und der mentalen Begleitung in einer natürlichen Lebensphase und ersetzt nicht die ärztliche Abklärung.
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