Es gibt eine Form des Erwachsenseins, in der wir zu perfekt funktionierenden
Maschinen werden, die jedoch völlig von ihrem eigenen Zentrum entfremdet sind.
Man kann Projekte leiten und Erfolge feiern, ohne die leiseste Ahnung zu haben,
wann der Magen nach Energie ruft oder der Körper nach Schlaf verlangt. Das ist
keine Vergesslichkeit. Es ist das Resultat von Jahren, in denen die Biologie
gezwungen war, taub zu werden, damit das System in einer Welt überleben konnte,
die keine Sicherheit bot.
Hunger als Störgeräusch
Im Zustand chronischer Hochspannung, wenn das Nervensystem im Kampf-oder- Flucht-Modus gefangen ist, trifft der Körper eine brutale Auswahl der Prioritäten. Das Blut weicht aus den Eingeweiden in die Muskeln, und Verdauungsprozesse werden
eingestellt. In einem solchen System sind Hungersignale keine Information über Energiebedarf – sie werden als störendes Rauschen wahrgenommen, das die Wachsamkeit ablenken könnte. Ein hoher Spiegel an Stresshormonen wirkt wie ein chemischer Panzer. Man kann stundenlang auf reinem Adrenalin funktionieren, ohne ein „Knurren“ im Bauch zu spüren, weil der Körper gelernt hat, dass das Registrieren der eigenen Bedürfnisse gefährlich ist. Wie Bessel van der Kolk in seinen Forschungen zum Körpergedächtnis feststellte: Der Körper führt Buch, aber manchmal muss er erst die Benachrichtigungen abstellen, damit das System nicht kollabiert.
Leben hinter dickem Glas
Für viele von uns ähnelt der Kontakt zur eigenen Physiologie dem Empfang eines Radiosignals durch eine dicke Mauer. Man weiß, dass „etwas“ passiert, aber man kann Hunger nicht von Angst und Sättigung nicht von Schuldgefühlen unterscheiden. Es ist ein Zustand des somatischen „Einfrierens“, in dem die Signale aus dem Inneren des Bauches wie aus einem fernen Raum zu kommen scheinen. Wenn die physiologischen Grenzen eines Menschen in der Vergangenheit verletzt wurden – durch Zwang, Ignoranz oder die Bestrafung von Schwäche –, erkennt der Organismus die Abkopplung von der „Quelle“ als die effektivste Verteidigungsstrategie an. Man hört auf, Hunger zu spüren, um die Enttäuschung nicht spüren zu müssen, wenn keine Antwort darauf erfolgt.
Die Rückkehr aus dem Exil
Die Wiederherstellung des Kontakts zu den körperlichen Bedürfnissen ist kein technischer Prozess, der mit einer neuen Diät oder einem Essensplan gelöst werden kann. Es ist eine tiefgreifende, oft schmerzhafte Neuverhandlung mit dem eigenen Schutzsystem. Es ist die Rückkehr aus einem Exil an einen Ort, der jahrelang gemieden wurde. Zu verstehen, warum der Körper aufgehört hat zu sprechen, ist der erste Schritt, um sich in ihm wieder sicher zu fühlen. Es ist die Anerkennung, dass die eigene Biologie kein Feind ist, den man kontrollieren und disziplinieren muss, sondern ein verlassener Freund, der aus Angst vor Missachtung einfach aufgehört hat, sich mitzuteilen.
Die Hypnose dient hier der Steigerung des Wohlbefindens und der mentalen Begleitung in einer natürlichen Lebensphase und ersetzt nicht die ärztliche Abklärung.
Copyright © MagnetiQue Hypnose